Afrika 2017

Afrika - wir kommen.

 

Wir - das sind meine beiden Kinder Jonas und Kaja und meine wundervolle Frau Stefanie. Mit dabei ist natürlich auch das ganze Fotozeugs, da komm ich gleich zu, ist ja schließlich ein Foto-Blog. Ich erkläre ein paar Takte zur Ausrüstung, zum Thema Zoll, zur Versicherung und zu der quälenden Frage: Wie krieg ich das alles in den Flieger?

 

Die Reise sind eigentlich zwei Reisen in einer. Die erste Hälfte ist eine organisierte Safari in Botswana, die zweite ein Trip mit dem Mietwagen durch Südafrika. Ganz grob und zur Orientierung die Route. Flug München-Johannesburg und von dort weiter zu den Victoria Falls nach Zimbabwe. (OK, das ist gewissermaßen die dritte Hälfte. Und ja, in Mathe war ich keine Leuchte.) Die Safaritour beginnt im Anschluß: Fahrt nach Botswana, in den Chobe Nationalpark. Weiterflug ins Okavango-Delta, Zeltsafari. Dann zurück nach Johannesburg, Mietwagen abholen. Die grob geplante Route in Südafrika: Blyde River Canyon, Hluhluwe Nationalpark, Durban. 

 

In diesem Teil des Blogs geht es um das Equipment und alle möglichen Fragen, die damit in Zusammenhang stehen. Wem das schnurz ist, der möge sich noch etwas gedulden, bis ich die ersten Bilder und Eindrücke von der Reise posten kann. 

 

1. Welche Ausrüstung kommt mit?

2. Wie transportieren?

3. Gibt`s bei Ein- und Ausreise zolltechnisch was zu beachten?

4. Versicherung?

 

Die Frage nach der richtigen Ausrüstung finde ich ziemlich schwierig. Wildlife-Fotografie gehört bislang nicht zu meinem Portfolio. Ich bin sehr neugierig und voller Vorfreude. Gleichzeitig habe ich großen Respekt, denn soviel ist mir klar: Für richtig gute Bilder braucht man nicht nur das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, man muss die viele Technik auch gedankenschnell und richtig anwenden. Und nach allem, was ich bisher gelesen habe, ist die beste Zeit für spektakuläre Fotos der sehr sehr frühe Morgen: Viele Tiere, viel Aktivität und schönes Licht. 5 Uhr früh ist zwar das Gegenteil meiner Lieblings-Uhrzeit, aber ich bin da ja nicht zum Spaß. :-)

 

Klar ist: Wenn die Tiere weit weg sind, musst man sie irgendwie näher ranholen, damit es keine schwarzen Punkte in der Landschaft bleiben. Also  je mehr Brennweite und Lichtstärke, desto besser. Theoretisch. Weil: Hallo? Nur mal so: Das Nikon 400mm f/2.8 kostet knapp 8k. Kommen wir zu den realistischen Möglichkeiten. 

 

Ich fotografiere seit letztem Jahr mit einer Nikon D500. Ums mal so zu sagen: Ein Gepard rennt schon schneller, aber Wildlife ist am Ende auch nichts anderes als Fussball, nur weiter weg. :-)  Für Wildlife ist die Kamera top. Hohe Serienbildfrequenz, hohe ISO-Zahlen mit wenig Rauschen, Crop-Faktor 1,5 und das beste: fokussiert auch bei Blende 8, also bei wenig Licht. Will sagen: Mit dem günstigen Nikon-Tele 200-500mm f/5.6 plus Telekokonverter TC 1.4 erreicht man eine Brennweite von erstaunlichen 420-1050mm. Puh... Und ja, ich nehme auch an, dass es schwer bis unmöglich sein wird, damit einen Geparden zu fotografieren, der im Vollspeed eine Gazelle jagt. Aber für eine ganze Menge anderer Einsatzzwecke klingt das ziemlich vielversprechend. Ich verwende übrigens den TC-II 1.4. Hab ich für knapp 100 Euro bei Ebay ersteigert, funktioniert tadellos. 

 

Über die Vor- und Nachteile des 200-500ers ist viel geschrieben worden, ich will (und kann) dazu jetzt nicht viel sagen. Ich habe mir vorgenommen, nach der Reise einen persönlichen Erfahrungsbericht zu schreiben. Der für mich offensichtlichste Nachteil: Das Ding ist leider riesig. Und wiegt gefühlt 2,5 Tonnen. Mag sein, dass Edie Linse im Vergleich zu lichtstarken Tele-Festbrennweiten klein und leicht ist. Trotzdem muss man sie erstmal rumschleppen. Vor allem im Vergleich zu meinem eigentlichen Lieblings-Tele, dem Nikon 300mm f/4.0 PF ED VR, ist das 200-500 ein wahres Monster. Das 300er dagegen: Sensationell leicht, superschnell und irre scharf. Das ist natürlich auch am Start. 

 

An diesem Punkt kam ich ins Grübeln. Meine alte D800 ist eine tolle Kamera, aber für Reportageeinsätze mit ggf. schneller Bildfolge irgendwie nicht so richtig gut geeignet. Deshalb hatte ich beschlossen, sie nicht mitzunehmen. Aber mit nur einer Kamera losziehen? Was, wenn sie eine dann kaputt geht? Und will ich wirklich im Jeep, auf staubigen Pisten oder bei Regen schnell mal das Objektiv wechseln? Wärs nicht sinnvoll, eine zweite Kamera dabeizuhaben,  idealerweise ein Vollformat? Für den Sternenhimmel. Für Timelapse. Mit hoher Serienbildrate, niedrigem Bildrauschen und am besten auch in einem möglichst unverwüstlichen Gehäuse? D5, D4s, D4 - gerne, aber da fehlt mir leider das Geld. Aber siehe da - es gibt inzwischen jede Menge D3s auf dem Gebrauchtmarkt, für erstaunlich kleines Geld. (Auch eine gebrauchte D700 wäre sicherlich eine gute Wahl.) Ich habe eine technisch geprüfte D3s mit Garantie bei Ebay erwischt, eingestellt von Dostal & Rudolf. 900 Euro, find ich ziemlich fair. Diese Kameraauswahl hat allerdings einen gravierenden Nachteil: Die Modelle verwenden unterschiedliche Akkus und unterschiedliche Speicherkarten: CF, SD und XQD. Die Folge: Unterschiedliche Laderäte, Kartenleser und Ersatzakkus mitschleppen. Sic.

 

Der Rest des Equipments hat sich dann quasi von alleine in den Rucksack gesellt. Ich fasse mal zusammen.

 

D3s (gebraucht) & D500

200-500mm f/5.6 

300mm f/4.0 PF

70-200mm f/2.8 VR

24-70mm f/2.8

20mm f/1.8

10-20mm f/4.5-5.6

Irix 15mm f/2.4

 

Dazu einige ND-Filter, ein Tiltall Reisestativ (zum Einbein umfunktionierbar), ein Bohnensack, Hirnbirn mit Rotlicht, Ersatzakkus und Speicherkarten, Laptop, externe FP mit 2 TB Speicherkapazität.

 

Der Transport der Ausrüstung ist ein Thema, das mich wahrscheinlich noch in der S-Bahn auf dem Weg zum Flughafen beschäftigen wird: Haut das so hin?  

Der Fotorucksack kommt als Handgepäck an Bord. Die Maße 56cm x 36cm x 23cm passen. Könnte nur zu schwer sein, aber das riskier ich einfach mal. Nicht im Rucksack sind das 200-500mm und das 300mm. Beide nehme ich in Umhängetaschen extra mit. Das 300er in der von Nikon mitgelieferten Tasche. Für das 200-500er habe ich mir von Loewe eine gepolsterte Objektivtasche gekauft, die wunderbar passt. (Kriegt mein Sohn umgehängt.) Und so hoffe ich, das ganze Zeugs unbeschadet an Bord zu kriegen. (Im Gegenzug darf beim restlichen Gepäck nur das Allernötigste mit. Aber das ist hier ja nicht das Thema.) Wenn ich die Gelegenheit habe, werde ich während der Reise ein Update posten, ob das alles so geklappt hat wie erhofft.

 

Zwei weitere Fragen haben mich im Vorfeld beschäftigt. Was sagt eigentlich der Zoll, wenn man mit solcherart Equipment durch die Weltgeschichte gondelt? Und: Sollte man die Sachen versichern? Die Antwort auf Letzteres ist einfach: Da ich mein Equipment schon seit längerem versichern will, hab ich die Reise zum Anlass genommen, es endlich zu tun. Zu diesem Thema schreibe ich bei Gelegenheit einen eigenen Artikel. Wer gleich Infos haben möchte - bitte einfach melden.

 

Beim Thema Zoll werde ich meine Erfahrungen jetzt sammeln. Prinzipiell ist es erlaubt, die eigene Fotoausrüstung mitzunehmen. Die Airline - South African Airways - hat meine wiederholten Anfragen, ob ich das Equipment im Vorfeld anmelden kann oder soll, allerdings konsequent ignoriert. In den allgemeinen Reisehinweisen von Airline und südafrikanischem Zoll bin ich auch nicht weiter fündig geworden. Irgendwann hab ich die Recherche eingestellt; seitdem sage ich mir: Wird schon klappen. Ich habe mein komplettes Equipment fotografiert und dokumentiert, das muss reichen.

 

Für die Wiedereinreise nach Deutschland habe ich beim Zoll - Achtung, das Wort gibt`s wirkich - eine "Nämlichkeitssicherung" gemacht. Dazu lädt man sich von der Homepage des Zoll das entsprechende Formular herunter. Einzutragen sind die Bezeichnungen aller Kameras, Objektive und sonstigen Geräte, die man dabeihat, inklusive Seriennummern. Dann geht man mit diesem Formular und dem ganzen Gerödel zu einem Zollamt (zum Beispiel am Abflughafen), wo ein Beamter die Angaben überprüft. Je nachdem, wie genau der Kollege das macht, muss man alles vorzeigen und die Seriennummern vergleichen lassen - oder halt nur Teile. Entsprechend dauert es ein paar Minuten mehr oder weniger. Falls man sich entschlossen hat, diese Nämlichkeitssicherung am Abflugtag beim Flughafenzoll zu erledigen, kann es passieren, dass gerade eine japanische Reisegruppe vor einem am Schalter steht. Dann ist es gut, wenn man noch viel Zeit bis zum Abflug hat. Oder man kann halt wahnsinnig gut drängeln. 

 

Ich habe die Nämlichkeitssicherung vorab auf einem Zollamt machen lassen. Das ganze kostet übrigens nichts. Die Bescheinigung, die man im Anschluß erhält, muss man im Original mitnehmen und bei der Wiedereinreise nach Deutschland vorzeigen. Auf diese Weise dokumentiert man, dass man das ganze Equipment schon vor der Reise besessen und nicht in Johannesburg für den halben Preis gekauft hat und nun an der Steuer vorbeischmuggeln will. 

13. August 2017

 

Kein Löwe, aber dafür mein Kater. 

 

Aufgenommen mit D500, ISO 100, 1/640, f/8.0 mit 200-500mm und Telekonverter TC-E II 1.4x aus der Hand

Brennweite (inkl. Cropfaktor): 825mm

 

Die Schärfe ist akzeptabel. Bei sich bewegenden Motiven wird das allerdings schnell eine Herausforderung. Bin gespannt, wie ich damit vor Ort klarkomme - und vor allem: Wie die Ergebnisse aussehen werden...

 

 

 

 

 

 

... machbar ist es jedenfalls. Braucht halt Übung. Und ich werde mich wohl an den Gedanken gewöhnen müssen, dass nicht jedes Bild gelingt. Stefanie auf dem Fahrrad ist bergab fast so schnell wie ein Gepard.

Wenn das in freier Wildbahn ähnlich gut klappt, bin ich happy.

 

D500, 200-500mm und Telekonverter TC-E II 1.4x, aus der Hand

ISO 450, 1/400, f/ 8.0, 1050mm (inkl. Cropfaktor)